Dienstag, 11. Oktober 2016

Social Müll

Foto: deathtostock

Es ist Montag. Ich bin überfordert und träge geworden. Social Media alias Snapchat, Instagram, Facebook, Tumblr, Flickr, WhatsApp etc. saugen mir irgendwie nur noch die Zeit und Energie weg. Die erste und letzte Tat des Tages ist nicht das Innehalten oder Resümieren des bevorstehenden Tages oder des zurückliegenden Wochenendes. Diese kurze Mediation bereitet uns einen ruhigen Schlaf oder einen ausgewogenen Start in den Tag. Und ich frage mich oft, wie es passieren konnte. Eine ganze Generation die sich atemlos durch das Internet jagt, auf der Suche nach stetiger ununterbrochener Befriedigung und Reputation, kann sich nicht mehr auf sich selbst besinnen. Die Flut an vertikalen Videos, Gifs, Snaps, unwichtigen Beiträgen und Produktplatzierungen von hippen Unternehmen lässt die User treiben. Durch immer mehr likes, Kommentaren und manchmal auch durch puren Hass und Überforderung wird die Flut rasant und unübersichtlich. Alles schiebt sich mit hoher Geschwindigkeit durch das Netz und kann nur mit viel Zeiteinsatz verarbeitet werden. Gerade noch “oben”, später schon “unten”, morgen schon wieder vergessen. Höher, schneller, besser, mehr. Alles dreht sich nur um sich. Um mich. Die große, nahezu unendlich weite „Internet-Bühne“. Auf welcher mehrere Content-Stücke gleichzeitig gespielt werden. Die Protagonisten nutzen jeden Aufzug ohne Pause um das Prahlen, Lügen und Beeinflussen zu perfektionieren. Neid macht sich breit. Alles zum Selbstzweck generiert. Und selbst ehrliches gibt´s meist nur aus Kalkül und Berechnung. Das vorgelegte Tempo und die Aufmerksamkeit wird immer schneller. Wer hier die Oberhand über Social Sharing und User-Generated-Content gewinnt. Der am meisten gibt hat, laut Tim Rayner, im virtuellen Stamm ein hohes Ansehen. Er behauptet:

„Social sharing involves a reputation game – a virtuous competition aimed at winning the favour of virtual tribes through exorbitant gifts. It may sound daunting, but it is intuitive and straightforward.“

Was bleibt? Nichts außer Überforderung am Smartphone-Bildschirm. Virtuelle Herzchen, Likes und Gefolgschaft. Und die verschwinden schneller wie man scrollen kann. Ich brauche mehr Zeit, um zu verstehen. 1 ist mir aber bewusst … montags bin ich einfach immer müde!